Ein WBT kann beliebig komplex aufgebaut sein: von einfachen interaktiven Modellen bis hin zu aufwändigen Simulationen oder Planspielen. Wichtig ist, dass das WBT ansprechend und verständlich aufbereitet ist und Anwender schnell und leicht im WBT navigieren können. Einen Überblick, welche Arbeiten anfallen und wie ein WBT-Projekt ablaufen kann, liefert dieser Beitrag.
Projekt planen/vorbereiten
Am Anfang eines jeden WBT-Projekts stehen eine Reihe von Fragen, unter anderem:
- Warum soll ein WBT erstellt werden?
- Welche Inhalte sollen vermittelt werden?
- Welche Lernziele sollen erreicht werden?
- Wie sollen die Lerninhalte aufbereitet werden?
- Welche Zielgruppe wird angesprochen (homogen oder heterogen, Vorkenntnisse)?
- Wo soll gelernt werden?
- Welche technischen Bedingungen liegen vor?
- Mit welchen Werkzeugen soll das WBT erstellt werden?
- Wie viel Zeit und Geld stehen zur Verfügung?
All diese Fragen müssen in einem WBT-Konzept beantwortet werden. Legen Sie Inhalte, Lernziele, Aufbau und Gestaltung fest, definieren Sie die technischen Rahmenbedingungen, und planen Sie den Mitarbeiterbedarf sowie das Budget. Berücksichtigen Sie aber auch Pflege und Weiterentwicklung.
Konzept entwickeln
Nehmen wir beispielsweise ein WBT zur Wissensvermittlung und schauen uns die einzelnen Arbeitsschritte an. Wir wollen Grundwissen für Anfänger ohne Vorkenntnisse vermitteln. Eingesetzt werden Texte, Grafiken, ergänzende Bildinformationen über Image-Maps oder Drop-down-Menüs sowie Filmsequenzen, die Bedienabläufe darstellen. Die einzelnen Lektionen sollen modular aufgebaut sein und über ein Inhalts- und Stichwortverzeichnis abgerufen werden können. Ergänzend werden ein Literaturverzeichnis und weiterführende Links vorgesehen. Ein Multiple-Choice-Quiz soll Feedback zum Wissensstand geben. Als Erstellungstool wählen wir z. B. RoboHelp.
Die einzelnen Arbeitsschritte
Folgende Arbeiten fallen an:
- Layout entwerfen
- Gliederung und Struktur anlegen
- Material zusammenstellen
- Lektionen aufbauen
- Zugriffsmöglichkeiten optimieren
- Daten umwandeln
- WBT testen
- WBT zur Verfügung stellen
Layout entwerfen
Zunächst legen wir das Aussehen des WBT fest. Dazu bestimmen wir die Ausgabegröße am Bildschirm und planen Informations- und Navigationsbereiche. Für das Grundlayout wählen wir Bilder und grafische Elemente. Weiterhin definieren wir Schriften, Schriftgrößen, Auszeichnungen und Farben. In einem weiteren Schritt gestalten wir die Navigation, Navigationselemente, das Aussehen der einzelnen Lektionen, des Quiz' und der benötigten Verweise.
Sobald das Layout steht, erstellen wir ein Grundgerüst mit allen Elementen und testen es auf der geplanten Zielplattform. Damit wir uns bei der inhaltlichen Bearbeitung leichter tun, helfen Vorlagen für Seiten- und Textgestaltung sowie für Navigationselemente.
Gliederung und Struktur festlegen
Zur Aufbereitung der Inhalte legen wir eine Gliederung mit einzelnen Lektionen an. Das entspricht Verzeichnissen nach beispielsweise thematischen Kriterien, um die Inhalte folgerichtig anzuordnen und das Projekt übersichtlich zu strukturieren. Weiterhin legen wir fest, wie die Lektionen miteinander verbunden werden und in welchen Bildschirm- bzw. Fensterbereichen sie darzustellen sind.
Material zusammenstellen
Alle benötigten Materialien (Textinhalte, Bilder usw.) müssen rechtzeitig verfügbar sein. Wir recherchieren Sachverhalte und ordnen die Texte in Anlehnung an die Gliederung den einzelne Lektionen zu. Wir erstellen Bilder und Grafiken und konvertieren diese in ein browserfähiges Format. Für die animierten Abläufe filmen wir Bediensequenzen, die wir nachbearbeiten: Zeitablauf und Mauszeigerverhalten optimieren, Hot Spots und Pop-up-Texte ergänzen etc.
Lektionen aufbauen
Das WBT erstellen wir aus einzelnen Lektionen, die inhaltlich aufeinander aufbauen. Wichtig ist, dass die einzelnen Lektionen sowie die Fensterinhalte nicht zu umfangreich werden. Langes Scrollen ist zu vermeiden, denn das Lesen langer Texte am Bildschirm ermüdet bekanntlich schneller als das Lesen auf Papier.
Pro Lektion tragen wir alle Materialien zusammen, die zu dem behandelten Thema gehören. Am Anfang steht stets ein einleitender Text, der einen thematischen Überblick liefert und durch Bilder und Filme vertieft wird.
Zugriffsmöglichkeiten optimieren
Die einzelnen Lektionen sind über ein Inhaltsverzeichnis abrufbar. Es bietet einen Überblick, welche Themen in welcher Rang- und Reihenfolge behandelt werden.
Für das Stichwortverzeichnis legen wir Stichwörter (und Synonyme) fest, die wir durch Links mit den jeweiligen Lektionen verknüpfen. Textinhalte müssen ebenso berücksichtigt werden wie Bild- und Filminhalte, weil sich manche Stichwörter nicht in den Texten, sehr wohl aber in den Bildern und Filmen finden.
Daten umwandeln
Abhängig vom gewählten Erstellungstool kann es nötig sein, die Lektionen in ein browserfähiges Format umzuwandeln. Die Zielplattform spielt in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle.
WBT testen
Sehr wichtig ist abschließend ein sorgfältiges Testen. Es wird nicht nur geprüft, ob alle Inhalte vollständig und richtig sind, sondern auch, ob das WBT mit all seinen Funktionen und Navigationselementen korrekt funktioniert. Je nach Umfang des WBT-Projektes kann eine zusätzliche Pilotierung sinnvoll sein. Dabei wird das WBT über einen festgelegten Zeitraum in der Praxis eingesetzt und beurteilt. Das Pilotierungsfeedback wird ausgewertet und fließt anhand nochmaliger Korrekturen in das WBT ein.
WBT zur Verfügung stellen
Wurde das WBT auf Herz und Nieren geprüft und freigegeben, wird es auf einem Server oder einer CD zur Verfügung gestellt oder im Rahmen einer anderen Anwendung installiert.
Ein Wissenstest sollte in keinem WBT fehlen. Er kann lektionsweise eingebaut werden und/oder als abschließende Prüfung, die alle Lektionen abdeckt.
Ein WBT-Beispiel, dem die Abbildungen dieses Beitrags entstammen, finden Sie hier: www.doku.info.