Alle müssen mal wohin - Gleichbehandlung im Sprachgebrauch

Was in der Welt von Toiletten und Stellenanzeigen nahezu selbstverständlich ist, fällt in vielen Sachtexten unter den Tisch: die gleichberechtigte Ansprache von Frauen und Männern.

Gerade in der Technischen Dokumentation, bei der die Zielgruppen-Ausrichtung besonders wichtig ist, muss es Richtlinien geben. Und tatsächlich gibt es sie schon, was uns RedakteurInnen freut.
Zugegeben, das große I ist umstritten, kann nicht immer verwendet werden und behindert zudem den Lesefluss. Plural- und Partizipialkonstruktionen sowie Doppelnennungen von Leserinnen und Lesern scheinen oftmals geeigneter und werden beim Lesen nicht zum Stolperstein. Möglichkeiten gibt es viele; der (Formulierungs-)Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wohlwollend in der Sache zeigt sich auch der typische Anzeigenstil, den Sie jedoch tunlichst vermeiden sollten. Wo weibliche Wortformen nichts weiter sind als männliche Begriffe mit 'Anhang', kann von Gleichbehandlung keine Rede sein.

Falsch:
Wir suchen eine/n Systemverwalter/in.

Richtig:
Wir suchen eine Systemverwaltung.

Oder auch:
Wir suchen eine Person für die Systemverwaltung.
Als Ersatz für gut gemeinte Klammerkonstruktionen sollten Sie ausdrücklich beide Geschlechter nennen.

Falsch:
Referent(inn)en müssen sich anmelden.

Richtig:
Referentinnen und Referenten müssen sich anmelden.

Oder auch:
Vortragende müssen sich anmelden.

Leider haben die geschlechtsspezifischen Begriffe bei uns eine lange Tradition. So schleichen sie sich schon im Kindesalter durch Familie, Kindergarten und Schule in unseren Sprachgebrauch ein und werden selbst in späteren Jahren weder genau betrachtet noch wörtlich genommen. Betriebe rechnen in Manntagen statt in Personentagen, wir zahlen Teilnehmergebühren statt Teilnahmegebühren oder verlangen ganz selbstverständlich bei Beschwerden im Supermarkt den Filialleiter statt die Filialleitung. Und mal ehrlich: Wer denkt bei der Teamassistenz schon an einen Sekretär oder gar bei der Schreibkraft an einen Mann?

Es geht hier nicht um pseudo-emanzipierten Sprachaktionismus oder die Verbannung ostdeutscher Ampelmännchen, durch die sich wohl keine Frau ernstlich diskriminiert fühlt (ebenso wenig wie Männer durch das Fußgängerin-mit-Kind-Schild). Vielmehr sollten sich Frauen und Männer der schreibenden Zunft vorhandene Defizite im gemischtgeschlechtlichen Sprachgebrauch bewusst machen. Nur dadurch wird es uns gelingen, nicht mehr unbedacht von Ärzten und Krankenschwestern zu sprechen, sondern von Ärzteschaft und Pflegepersonal.

Aber die gleichgestellte Nennung von Frauen und Männern ist nichts ohne eine gewisse Symmetrie. Personendaten, Leistungen und Erfolge von Frauen und Männern sind gleichwertig und müssen auch als solche dargestellt werden. Nennen Sie z. B. Titel und Position entweder bei allen oder gar nicht.

Falsch:
Anwesende: Herr Müller, Herr Dr. Zuber (Entwicklungsleiter), Karin Hiegel

Richtig:
Anwesende: Frau Dr. Karin Hiegel (Schulungsleiterin), Herr Frank Müller (Entwickler), Herr Dr. Holger Zuber (Entwicklungsleiter)

Die Wahl treffender Formulierungen erfordert oftmals Fingerspitzengefühl und Zeit - Zeit, die Sie sich nehmen sollten. Sehen Sie es als Herausforderung Ihres Jobs, nicht nur sachgerecht sondern auch menschengerecht zu schreiben. Bemühen Sie sich, geeignete Begriffe zu finden, die nicht nur Sachverhalte klar und unmissverständlich darstellen, sondern auch Frauen und Männer gleichermaßen ansprechen.
Und last but not least: Zweideutiger Kneipenjargon wie "Löten Sie das Fummelteil in Position R74 ein" (Dr. J. Klug, Carsten Mayer: Zum Nulltarif. In: c't 6/95, Seite 250) gehört nicht in Sachtexte; das versteht sich (hoffentlich) von selbst.

Kümmern wir uns also weniger um Toiletten-, Ampel- oder Schilderfragen; Richten wir unsere ganze Aufmerksamkeit lieber auf das, was wir sagen und schreiben.

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Sissi Closs, Andrea Schmieden;
Richtlinie. Gleichberechtigung in der Technischen Dokumentation.

Bestellungen nimmt Frau Monika Werler gerne entgegen:
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20.01.05
Christiane Schloßer - Technikredakteurin bei Comet Computer


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Comet zählt seit Ende der 80er Jahre zu den führenden Anbietern im Bereich Technische Dokumentation. Mit unserem Team aus Informatikern, Natur- und Geisteswissenschaftlern sowie Grafikern und Web-Designern entwickeln wir anspruchsvolle Lösungen, die passgenau auf Ihre Anforderungen zugeschnitten sind. Wir erstellen Handbücher, Online-Hilfen und Bedienungsanleitungen – mediengerecht und in mehrsprachiger Übersetzung. Selbstverständlich übernehmen wir auch die Lokalisierung Ihrer Software und unterstützen Sie bei der Umstellung Ihrer Technischen Dokumentation auf Single Source Publishing.

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