Technische Dokumentation (in den Ausgangs- und in allen Zielsprachen) muss hohen Qualitätsansprüchen genügen. Nutzer technischer Geräte in allen Zielländern fordern inzwischen eine umfassende Dokumentation in ihrer Muttersprache. Wird diese Anforderung nicht erfüllt, sinkt die Akzeptanz des Produkts rapide und es wird sich kaum auf dem neuen Markt etablieren oder gar halten können.
Spätestens durch die verschärfte EU-Gesetzgebung zur Produkt- und Produzentenhaftung erkannten die meisten Firmen die Image- und Kostenrelevanz guter Übersetzungen. Und so schlossen sich bereits 1990 führende Lokalisierungsunternehmen zum Dachverband LISA (Localization Industry Standards Association) zusammen, der unter anderem das Ziel verfolgt, Richtlinien für optimale Arbeitsabläufe sowie sprachtechnologische Standards aufzustellen (siehe LISA 2003: Einführung in die Lokalisierungsbranche, 2. überarbeitete Auflage, Fechy/CH).
Globalisierung bezeichnet im Allgemeinen die jüngere Entwicklung der Weltwirtschaft hin zu einem globalen Markt, der sich durch wirtschaftliche, politische, technische und soziale Annäherung und Verflechtung auszeichnet. In der GILT-Branche hingegen bezeichnet der Begriff Globalisierung
Die Entscheidung eines Unternehmens zur Globalisierung hat weit reichende Folgen. Eine der wichtigsten: Die zeitlichen Produktionsbedingungen verändern sich. Früher wurde ein Produkt zunächst in der Ausgangssprache dokumentiert und ausgeliefert, die Dokumentation erst danach in die erforderlichen Zielsprachen übersetzt. Heute ist der Unternehmer zum SimShip (Simultaneous Shipment) gezwungen, also zur zeitgleichen oder nur um wenige Tage zeitversetzten Produkt- und Dokumentationsauslieferung in allen Zielländern und mit allen Sprachvarianten - und das vor dem Hintergrund, dass sich mittlerweile auch der Innovationszyklus deutlich verkürzt hat. Unternehmen, die ihre Produkte nicht schnell genug auf den Markt bringen beziehungsweise an die neuesten Entwicklungen anpassen, werden rasch von Mitbewerbern verdrängt.
Der unternehmenspolitischen Entscheidung zur Globalisierung folgt die Internationalisierung des Produkts (inklusive Dokumentation). Nur eine sorgfältige und umfassende Internationalisierung gewährleistet, dass sich das Produkt problemlos in verschiedenen Zielländern vermarkten lässt und keine aufwändigen Neuentwicklungen nötig werden. Das Produkt muss also in arbeitstechnischer, gesetzlicher, kultureller, sprachlicher und unter Umständen sogar physiologischer Hinsicht anpassungsfähig sein. Unter anderem sind folgende Aspekte zu berücksichtigen:
So muss ein Kfz-Hersteller beispielsweise darauf achten, dass sein Fahrzeug länderspezifisch links- bzw. rechtsverkehrtauglich ist und die Beleuchtungs- und Sicherheitsvorschriften aller Zielländer erfüllt. Eine Buchhaltungssoftware muss verschiedene juristische und steuerrechtliche Regelungen abbilden können, und Finanzprogramme dürfen nicht an einer neuen Währung scheitern.
Die Lokalisierung mit integrierter Translation (Übersetzung) schließt an eine erfolgreiche Internationalisierung an und betrifft sowohl das Produkt selbst als auch seine gesamte Dokumentation. „Lokalisierung bezeichnet [...] den Vorgang der inhaltlichen, funktionalen und optischen Anpassung eines Produkts an die Anforderungen des Zielmarkts [...]. Wenn richtig implementiert, durchdringt die Lokalisierung alle Aspekte der Planung, Entwicklung, Qualitätskontrolle, Vermarktung und des Supports des Produkts" (LISA 2003, Seite 3). Einem gut lokalisierten Produkt ist die Lokalisierung nicht anzumerken. Es erscheint wie ein landesspezifisches Produkt ohne fremde Eigenheiten.

Achtung bei der Farbauswahl: Bedeutung und Assoziation einer Farbe können im Ländervergleich sehr verschieden sein.
Grundsätzlich unterscheidet die Lokalisierung zwischen sprachlichen und nicht sprachlichen Aspekten.
In sprachlicher Hinsicht ist die Lokalisierung mit der Übersetzung gleichzusetzen und umfasst den Transfer von den Ausgangs- in die Zielsprachen. Sprachlich transferiert werden die Produktdokumentation, die Benutzeroberfläche von Software und alle weiteren textlichen Produktbestandteile. Dass in diesem Zuge bereits Anpassungen von Datumsformaten, Maßeinheiten, numerischen Angaben etc. vorgenommen werden, ist bei einer funktionalen Übersetzung selbstverständlich.
Der nicht sprachliche Lokalisierungsteil umfasst neben kulturellen vor allem technische und juristische Aspekte. Das Produkt wird an die Gesetzgebung und die technischen Gegebenheiten eines konkreten Ziellandes angepasst. So werden beispielsweise ein anderer Netzstecker montiert, eine andere Lizenzvereinbarung beigelegt oder ein anderer Zeichensatz (für arabische oder asiatische Sprachen) verwendet. Auf kultureller Ebene werden Bilder, Grafiken, Symbole, Farben etc. angepasst, sofern nicht bereits während der Internationalisierung kulturneutrale Elemente verwendet wurden.
Durch die immer noch zunehmende Globalisierung, durch neue Gesetze und Richtlinien (z. B. zur Produkthaftung) nehmen die Bedeutung und der Umfang technischer Übersetzungen zu. Der Umfang der einzelnen Produktdokumentationen wächst rapide mit der Komplexität der Produkte und umfasst nicht selten mehrere hundert oder tausend Seiten. Und die müssen nicht nur in 1 bis 2 Sprachen zur Verfügung stehen, sondern oftmals in 20 oder mehr.
Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird, ist die Komplexität des Übersetzungsvorgangs. Es geht nämlich schon längst nicht mehr um einen rein sprachlichen Transfer, sondern um eine umfassende Textanpassung an den Zielmarkt, die gleichermaßen sprachliches, technisches, kulturelles und juristisches Fachwissen erfordert. Denn eine professionelle Lokalisierung soll nicht nur gesetzliche Dokumentationsvorschriften erfüllen, sondern dem exportierenden Unternehmen entscheidende Wettbewerbsvorteile verschaffen.
In Anbetracht des stetig wachsenden Übersetzungsvolumens bei gleichzeitiger Forderung nach Qualitätsssicherung, ist ein effizienter Workflow zwingend erforderlich, um zeitsparend und kostengünstig gute Ergebnisse zu erzielen. Werden alle sprachlichen, kulturellen, technischen und juristischen Aspekte bereits im Internationalisierungsprozess bedacht, sind die späteren Lokalisierungsaufwendungen kalkulierbar. Werden jedoch wichtige Punkte übersehen, kann ein gesamtes Projekt noch in der Lokalisierungsphase scheitern oder zu einer Multiplikation der Lokalisierungskosten führen, da die Fehler aus der Internationalisierungsphase für jeden einzelnen Zielmarkt gesondert korrigiert werden müssen.

Nach der einmaligen Internationalisierung muss die Lokalisierung für jeden Zielmarkt gesondert durchgeführt werden. Je besser durchdacht und umfassender die Internationalisierung, desto größer ist das Einsparpotenzial bei der Lokalisierung.
Um das zu verhindern, sollten Unternehmen schon bei der Textproduktion an die künftige Lokalisierung denken und - auch wenn die Internationalisierung eigentlich Sache der Produktentwicklung ist - Technische Redakteure sowie Lokalisierungsexperten bereits in die Internationalisierungsphase einbeziehen.
20.11.06
Prof. Dr. Petra Drewer - Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, Studiengang Technische Redaktion
Herausgeberin:
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In unserem modernen Schulungszentrum bieten wir Kurse zu allen aktuellen Themen der Technischen Dokumentation – von den Grundlagen bis zu den Tools wie RoboHelp, AuthorIT und Framemaker.
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