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Mit Standardisierung zum Erfolg - Wo brauchen wir Standards?
Standards sind bewährte Mittel, Vereinheitlichung zu erreichen und die Handhabung von Dokumenten für alle zu vereinfachen.
Etablierte Gebilde in der Papierwelt In der Papierwelt sind solche Gebilde seit Jahrhunderten etabliert. Briefe, Artikel, Bücher sind vertraute Gebilde, deren Erstellung und Handhabung von Kind auf trainiert werden und daher den meisten Menschen bekannt sind. Beispiel Brief Betrachten wir zum Beispiel das bekannte Informationsgebilde Brief. Wir wissen, aus welchen Bausteintypen ein Brief besteht. Empfänger, Absender, Datum, Betreff, Anrede, Brieftext, Grußformel sind die Grundbausteine. Wir kennen aber nicht nur die Bestandteile, sondern wissen auf Erstellerseite auch, wie wir sie richtig zusammensetzen, und auf Empfängerseite, wo wir welche Information finden. Im Laufe der Zeit haben sich Standards herausgebildet, die auf Grund der langen und weiten Verbreitung auch ohne Formalismus weitergetragen werden. Sie bilden heute die Basis dafür, dass Erstellung, Zustellung, Verwaltung und Nutzung sehr effizient, teils auch automatisiert durchgeführt werden können. Wirrwarr in der Online-Welt In der Online-Welt sieht es allerdings ganz anders aus. Alles ist in Bewegung geraten. Die Technik hat uns überrollt. So schnell, wie sie uns neue Möglichkeiten der Informationsdarbietung eröffnet, haben wir keine Modelle für adäquate Informationsgebilde bereit. Das Resultat ist allen leidlich bekannt. Auf Erstellerseite kämpft jeder von neuem mit den gleichen Problemen, hat immense Aufwände und Kosten und fängt immer wieder von vorne an. Es entsteht ein buntes Wirrwarr von Angeboten. Gleichartige Inhalte werden ganz unterschiedlich umgesetzt und präsentiert. Auf Nutzerseite entsteht Verwirrung. Wir quälen uns durch ein meist chaotisches, undurchschaubares Informationsdickicht. Standardisierte InformationsgebildeStandards sind bewährte Mittel, Vereinheitlichung zu erreichen, mit dem Ziel, die Handhabung auf allen Seiten zu vereinfachen. Sie werden immer dann notwendig, wenn eine gewisse Größenordnung erreicht ist und ein Austausch mit vielen verschiedenen Stellen stattfinden soll. Anfänge bei den Online-Hilfen Die ersten Informationsgebilde in der Online-Welt waren Online-Hilfen, die mit den grafischen Oberflächen kamen. Bis heute gibt es nur vereinzelt Konzepte, wie das Klassenkonzept für Topics und Verweise von Comet Computer, mit dem die Bausteine für eine typische Online-Hilfe ermittelt und ihr Zusammenbau systematisiert werden kann. Aus der erprobten Menge von Klassen können dann wie in der Papierwelt Modelle für Online-Hilfen gebaut werden. Mehr als zehn Jahre Erprobung im praktischen Einsatz haben gezeigt, dass sich im Lauf der Zeit Standard-Modelle herausbilden, die in einfachster Form für jede Art von Software als Gerüst für eine Online-Hilfe dienen. Sind diese Gebilde da, ergeben sich auf Ersteller- und Nutzerseite enorme Kostenersparnisse und Qualitätsgewinne. Auch für andere Bereiche, wie zum Beispiel Online-Kataloge und CBT (Computer Based Training), haben sich Ansätze der Vereinheitlichung entwickelt. Allerdings sind die Wirkungskreise dieser Welten verhältnismäßig klein, so dass sich bis heute weder in der Theorie noch durch die Tool-Hersteller allgemeingültige Standards etabliert haben. Herausforderung durch Web-Technologie Anders wurde es mit Aufkommen der Web-Technologie. Internet und Intranet bieten die Möglichkeit, jede Art von Inhalt mit einfachen technischen Mitteln weltweit zu präsentieren und auszutauschen. Jetzt aber fehlt es an Modellen für brauchbare Bausteinklassen und Informationsgebilde. Erste Konventionen beschränken sich noch auf die Ebene der Einzelinformationen, wo es darum geht, Stil, Layout und Grundnavigation festzulegen. Trennung von Struktur, Inhalt und Darstellung Eine notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung in Richtung Standardisierung war sicherlich die Erkenntnis, Struktur und Inhalt von der Darstellung zu trennen. Hier existiert mit XML und seinen verwandten Standards bereits heute eine weit verbreitete und anerkannte Standardtechnologie. Aber das reicht bei weitem nicht aus. Es bedarf einer mehrschichtigen Neuordnung und Konsolidierung auf unterschiedlichen Ebenen der Inhaltszusammenstellung. Wie kommen wir dahin? Da der Leidensdruck auf allen Seiten bereits sehr hoch ist, wäre es wünschenswert, wenn sich in naher Zukunft Standards etablieren, die weder aus der Not geboren noch über die Marktbeherrschung eines Herstellers eingeführt werden. Noch sind die Chancen gut, neutrale Standards zu schaffen. Der im Spätherbst 1999 verabschiedete ISO-Standard 13250 über Topic Maps könnte für einige Fragestellungen eine Lösung bieten. Die wichtigsten Stationen Bevor wir Standards festlegen, müssen wir die Inhalte, die wir anbieten möchten, genauestens analysieren, um zu ermitteln, wie und in welcher Form wir sie am besten darstellen und austauschen können. Die wichtigsten Stationen, die wir immer wieder durchlaufen müssen, sind:
ZusammenfassungSolange einheitliche Standards noch nicht verfügbar sind, sollten Unternehmen sich weitgehend bemühen, die Informationsgebilde, die für ihre Inhaltsangebote angemessen sind, zu ermitteln. Mit Tools, die heute schon am Markt verfügbar sind, sollte dann eine möglichst homogene Dokumentationsinfrastruktur aufgebaut werden, die so weit wie möglich bereits etablierte Standards wie XML einbindet. Je gründlicher diese Stationen durchlaufen werden, um so besser sind die Aussichten, die Informationsflut in den Griff zu bekommen und neue Techniken gewinnbringend einsetzen zu können. 20.01.05 Prof. Sissi Closs - Inhaberin und Geschäftsführerin von Comet Computer und Comet Communication sowie Professorin für Informations- und Medientechnik im Studiengang Technische Redaktion an der Hochschule Karlsruhe Weitere Artikel von Prof. Sissi Closs Mit dem Artikel verknüpfte Schlagwörter: |
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