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FrameMaker in der Technischen Dokumentation - ein angemessener Rahmen

Dank bedienungsfreundlicher Oberfläche und vieler wichtiger Funktionen ist FrameMaker auf die Aufgabe der Technischen Dokumentation zurechtgeschnitten. Was macht FrameMaker so beliebt?

FrameMaker stieß also in eine Lücke, denn hier gab es nun ein Tool, das nicht nur die meisten Funktionen bot, die man sich wünschte, sondern sogar speziell auf die Anforderungen der Technischen Dokumentation zugeschnitten war - und das auch noch zu einem vernünftigen Preis. Da es zudem unter UNIX, Windows und Macintosh lief, stand der Verbreitung nichts mehr im Wege.

Funktionale Grundkonzepte

FrameMaker brachte keine großen Neuerungen, setzte aber bestimmte Konzepte konsequent um und fasste sie unter einer vergleichsweise bedienungsfreundlichen grafischen Oberfläche zusammen.

Buchfunktion

Ein FrameMaker-Buch ist eine Datei, deren ausschließliche Aufgabe es ist, andere Dateien zu verwalten. Auf diese Weise lässt sich eine große Anzahl von Einzeldateien zu einer Einheit zusammenfassen. Dies ermöglicht z. B. über alle Dokumente (die am besten die einzelnen Kapitel des Buchs bilden) eine automatische Seiten- und Kapitelnummerierung, die Erstellung von Inhaltsverzeichnis und Index sowie den Import von Format- und anderen Dokumenteinstellungen in alle oder in ausgewählte Dateien des Buchs. Im Gegensatz zu anderen Konzepten bleiben die Einzeldateien weiterhin unabhängig vom Buch bestehen und lassen sich bei Bedarf getrennt weiterverwenden oder in andere Bücher einbinden. Vorhandene Dateien aus dem Buch zu entfernen oder neue Dateien in das Buch aufzunehmen ist eine Aufgabe, die sich mit wenigen Mausklicks erledigen lässt. Da die Buchdatei selbst keine Texte enthält, ist sie klein, und der Text lässt sich so aufteilen, dass die einzelnen Dateien gut handhabbar bleiben.

Formatkataloge

In FrameMaker gibt es Formatvorlagen für Absätze, Zeichen und Tabellen. Die Absatz- und Zeichenformatvorlagen stehen in Katalogen zur Verfügung. Fast alle Aktionen für den jeweiligen Formattyp führt man in nur einem Dialogfenster aus. Die Kataloge und die Dialogfenster zur Formatgestaltung werden nach Ausführen einer Aktion nicht automatisch geschlossen, so dass sich Formate auch in großem Umfang sehr schnell zuweisen, definieren und ändern lassen.

Unterschiedliche Seitentypen

Jedes FrameMaker-Dokument arbeitet mit drei Seitenebenen: Arbeitsseiten, Vorgabeseiten und Referenzseiten. Auf den Arbeitsseiten erstellt man wie gewohnt Texte, formatiert sie, fügt Grafiken und Tabellen ein usw. Die Vorgabeseiten legen das Seitenlayout fest. Neben rechter und linker Seite, die automatisch verwendet werden, kann man zusätzliche Seitenlayouts definieren und gezielt zuweisen, z. B. ein Titelblatt mit mehreren kleinen unverbundenen Textrahmen, Seiten mit unterschiedlich breiten Rändern oder Seiten mit anderen Kopf- und Fußzeilen für Anhänge.
Die Referenzseiten beinhalten eine Reihe von speziellen Funktionen, so z. B. Tabellen für die Konvertierung nach HTML und Steuerbereiche für die Erstellung von Inhaltsverzeichnis und Index.

Rahmen

Das grundlegende Seitenlayout wird in FrameMaker über Rahmen festgelegt. Es gibt einen oder mehrere Rahmen für den eigentlichen Textbereich, für Kopf- und Fußzeilen, für Grafiken und andere Objekte. Diese Rahmen verhalten sich im Wesentlichen wie Grafikobjekte und lassen sich deshalb einfach und einheitlich bearbeiten.

Strukturierte Dokumente

Ein großer Schritt bei den Einsatzmöglichkeiten von FrameMaker war eine Produkterweiterung, die unter dem Namen FrameBuilder auf den Markt kam. FrameBuilder bot den Leistungsumfang und weitgehend die gleiche Bedienoberfläche wie FrameMaker 4, zusätzlich aber Funktionen zur Strukturierung von Dokumenten. Mit Version 5 wurde FrameBuilder zu FrameMaker+SGML. War die Struktur in FrameBuilder eine rein interne Lösung, z. B. zur Sicherstellung von Konsistenz und Vollständigkeit, wurde sie nun SGML-konform, so dass damit erstellte Dokumente in zwei Welten eingesetzt werden können: Zum einen liegen Dokumente mit sauberem Layout für die Druckausgabe vor, zum anderen lassen sich leicht SGML-Dokumente generieren, mit allen Vorteilen dieses Standards, wie z. B. Plattform- und Produktunabhängigkeit.

Die Anpassung der betreffenden Funktionen ist zwar nicht einfach, wenn aber diese Aufgabe geleistet ist, gibt es bei der Konvertierung kaum noch Probleme. Mit der vor kurzem erschienenen Version 7 ist die Trennung in zwei Produktlinien aufgehoben, da sich nun mit dem normalen FrameMaker strukturierte und unstrukturierte Dokumente erstellen und bearbeiten lassen. Die reine SGML-Orientierung wurde durch ein Strukturformat ersetzt, das gleichberechtigt SGML und XML unterstützt. Trotz dieser Änderungen ist bei der Arbeit mit strukturierten Dokumenten über die verschiedenen Versionen alles beim Alten geblieben.

Online-orientierter Datenexport

Die Verbindung zur Online-Welt erfolgt neben den Strukturfunktionen seit einiger Zeit noch auf einer zweiten Schiene. Seit Version 6 wird mit FrameMaker die Standard Edition von WebWorks Publisher (WWP) mitgeliefert. Diese Software ist zum einen für den Export von HTML und XML konzipiert, zum anderen für die Erstellung von Online-Hilfen aus FrameMaker-Dokumenten (WinHelp, HTML Help, WebHelp, Java Help). Schon bei der Umwandlung in andere Formate geht WebWorks Publisher deutlich über die hierfür von FrameMaker bereitgestellten Funktionen hinaus. Vor allem die aufpreispflichtige Professional-Variante ist ein mächtiges Werkzeug, das allerdings bei der Einrichtung von WWP-Projekten einigen Aufwand erfordert. Wer diese Mühe nicht scheut, erhält aber unter dem Single-Source-Aspekt eine Lösung, mit der FrameMaker zeigt, dass es für die aktuellen Anforderungen der Technischen Dokumentation bestens gerüstet ist.


20.01.05
Reiner Schumacher - Senior-Technikredakteur bei Comet Computer und FrameMaker-Dozent bei Comet Communication
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