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UNL - Universal Networking Language

Mit UNL, ein Projekt der Universität der Vereinten Nationen (UNU), sollen zukünftig Sprachbarrieren im Web überwunden werden. Ziel: Alle reden miteinander und jeder versteht den anderen.

Der herkömmliche Weg, Informationen zu internationalisieren, führt bisher stets über das Englische. Die kulturelle Vielfalt geht jedoch verloren, wenn eine Sprache alle Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens so stark dominiert. Sprachenvielfalt zu bewahren und gleichzeitig allen Menschen die Informationen im WWW zugänglich zu machen, sieht die UNO als eine sehr wichtige Aufgabe an, damit sich die globale Gesellschaft von morgen nicht in Wissende und Unwissende spaltet. Die Universal Networking Language soll der Ausbreitung des Internet dienen: von der akademischen Welt über die Geschäftswelt bis hin zum Tourismus und den Medien. So können alle von den Vorteilen des Internet profitieren.

Gegen Ende des Jahres 2000 soll sich die 'Weltnetzwerksprache' in einem Stadium befinden, in dem sie online getestet werden kann. Daran arbeiten weltweit etwa 120 InformatikerInnen, unter anderem auch in Deutschland an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken.

Einer der größten Vorteile der neuen Sprache ist, dass sie nicht erlernt werden muss. AutorInnen geben ihren Text über einen herkömmlichen Editor ein und lassen ihn anschließend über ein Analyse-Modul, den sogenannten Enconverter, in UNL übersetzen. Wird eine in UNL kodierte Web-Seite nun mit einem Browser betrachtet, der seinerseits mit einem Deconverter, dem UNL-Synthese-Modul, ausgerüstet ist, so wird der Text in der jeweiligen Landessprache ausgegeben. Sowohl En- als auch Deconverter sollen als Plug-Ins in den Internetbrowser integriert werden und kostenlos zur Verfügung stehen.

UNL ist eine mathematische oder formale Sprache, die einfachen Gesetzen gehorcht, um Informationen darzustellen. Bei der Übersetzung von einer realen Sprache in UNL wird nicht etwa jedes einzelne Wort übertragen, sondern ganze Sätze. So gelingt es, grammatikalische und logische Zusammenhänge zu erkennen und bei Wörtern, die in einer Sprache mehrere unterschiedliche Bedeutungen haben, das jeweils richtige Wort herauszufinden. UNL kann beispielsweise den Unterschied zwischen Viele Arbeiter hassen Montage (im Gegensatz zu Sonntage) und Die Arbeiter sind auf Montage erkennen. Es analysiert den ganzen Satz, erkennt die grammatikalischen Zusammenhänge und Kombinationen der einzelnen Wörter und entschlüsselt deren Endungen. Diese Analyse führt zu dem Ergebnis, dass auf einem Wochentag sein im Deutschen keine geläufige Formulierung ist. Folglich wird bei der Übersetzung des Satzes Die Arbeiter sind auf Montage das Wort Montage nicht als Wochentag interpretiert.

Das UNL-Lexikon besteht unter anderem aus sogenannten Universalwörtern. Nur Begriffe, deren Bedeutung in jeder natürlichen Sprache existieren, können Universalwörter werden. Bislang umfasst der UNL-Wortschatz etwa 300.000 solcher Wörter, die teils aus dem Englischen übernommen, teils als Kunstworte kreiert wurden. Neben den Begriffen gibt es Relationen, die die Beziehung zwischen den Universalwörtern beschreiben und Attribute, die zusätzliche Eigenschaften bestimmen. So würde zum Beispiel das Wort Pressluftbohrer als Begriff Bohrer mit dem Attribut Pressluft analysiert. Mit einem Deconverter für Englisch würde dann das passende Wort pneumatic drill gefunden.

Dennoch ist UNL nicht mit einer klassischen Übersetzung zu vergleichen. Grammatikalischen Feinheiten und sprachlicher Eleganz ist UNL nicht gewachsen. So wird sich der Einsatz dieser Sprache auf den Alltag, auf theoretische Texte aus den Bereichen Wissenschaft und Technik sowie auf Bedienungs- und Reparaturanleitungen beschränken. Literatur und Philosophie gehören auch weiterhin in 'menschliche' Hände.

Das gesamte Projekt soll bis 2006 abgeschlossen sein. UNL soll dann in der Lage sein, neben den offiziellen Sprachen der Vereinten Nationen (Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch) insgesamt 150 Sprachen ineinander zu übersetzen.

UNL-Beispiel

Ein UNL-kodierter Text lässt sich ohne vorherige Umwandlung in eine reale Sprache nur sehr schwer lesen. Das folgende Beispiel vermittelt einen Eindruck von der UNL-Sprachkomplexität:

<unl-t>
   <unl-p>
   <unl-s>
       agt(win(icl>event).@past.@entry.@73,team(icl>collective).@def.@topic)
       obj(win(icl>event).@past.@entry.@73,match(icl>entity).@def)
   </unl-s>
   <unl-s>
       agt(break(icl>event).@past,player(icl>male).@def.@140)
       obj(break(icl>event).@past,leg(icl>body).@372)
       mod(leg(icl>body).@372,player(icl>male).@def.@140)
       mod(leg(icl>body).@372,left(icl>state).@140)
   </unl-s>
   </unl-p>
</unl-t>

In einem Browser mit deutschem UNL-Deconverter würden folgende Sätze erscheinen:
Die Mannschaft gewann das Spiel. Der Spieler brach sich das linke Bein.


20.01.05
Jens Degner - freiberuflicher Technikredakteur
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