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Filmkunst mit Lehrauftrag - Video-Tutorials mit Adobe Captivate

Wurde Software anfangs noch in reiner Textform beschrieben, so setzen sich heute die vielfältigen multimedialen Möglichkeiten unserer elektronischen Arbeitswelt immer mehr durch. Neben der gedruckten Gebrauchsanweisung gehören Online-Hilfe, User-Forum und Knowledge-Base längst zum gängigen Repertoire. Jüngstes Kind dieser Entwicklung ist das Video-Tutorial, das auf Serviceportalen allenthalben Problemlösungen oder Einblicke in neue Features verspricht. Gerade bei abstrakten Vorgängen kann dies durch visuelle Darstellung effizienter und verständlicher bewerkstelligt werden als verbal, getreu dem Motto: Bilder sagen mehr als tausend Worte.

Tutorials konzentrieren sich meist auf bestimmte Programmfunktionen, die anhand konkreter Anwendungsbeispiele vermittelt werden sollen. Deshalb sind Tutorials in der Regel keine vollständige Referenz, sondern dienen als flinke Helfer in der Not oder als motivierender Einstieg in eine komplexe Materie. Doch dem didaktischen Mehrwert von Tutorials steht meist der erstellungsseitige Aufwand gegenüber. Spezielle Tools können helfen, diesen zu minimieren.

Heute gibt es auf dem Software-Markt eine große Palette so genannter Screencapture-Programme, die es erlauben, auf einfache Weise Video-Anleitungen selbst zu erstellen und zu veröffentlichen.
Captivate von Adobe zählt zu den bekanntesten Produkten und bietet ausgereifte, praxisgerechte Funktionen. Sie können Software-Aktionen und Bedienvorgänge automatisiert aufzeichnen (filmen) und die Filme durch Text und Hervorhebungen ergänzen.

Die Captivate-Historie

Der Captivate-Urahn RoboDemo wurde von der Firma eHelp als eines der ersten wirklich brauchbaren Screencapture-Programme entwickelt. Beim Aufkauf der Firma eHelp durch Macromedia führte RoboDemo im einschlägigen Markt bereits seit Jahren und wurde - nach umfangreicher Verjüngungskur - unter dem Namen Captivate weitervertrieben. Diesen sowie das damalige Outfit behielt das Programm auch nach dem neuerlichen Aufkauf durch das Unternehmen Adobe.

Filme erstellen

Den Filmstart aktivieren Sie durch Tastendruck oder Mausklick. Bis Sie die Aufnahme auf gleiche Weise wieder beenden, zeichnet Captivate alle am PC ausgeführten Bedienaktionen auf. Den Aufnahmebereich können Sie durch Mausklick an die Fenstergröße bzw. den gewünschten Bildausschnitt der zu filmenden Software anpassen und umgekehrt (siehe Bild 1). Das erspart pixelfeine Handarbeit.

Während der Aufnahme brauchen Sie sich um Captivate nicht weiter zu kümmern und können sich ganz auf die Filminhalte und die korrekte Bedienung der gefilmten Software konzentrieren. Beispielsweise schaltet Captivate bei fließenden Bedienvorgängen wie Drag-and-Drop automatisch in einen kontinuierlichen Aufnahmemodus um - anders als bei der gängigen Schritt-für-Schritt-Aufzeichnung herkömmlicher Software-Interaktionen. Zittrige Hände und Fehlklicks sind auch kein Problem, denn alle Mausbewegungen lassen sich später wunderbar „glätten", und unerwünschte Inhalte können Sie bei der Nachbearbeitung entfernen. Wer die voreingestellten Filmautomatismen nicht nutzen möchte, kann bei der Aufnahme natürlich alle Funktionen manuell steuern.

Filme nachbearbeiten

Die Aufnahme ist abgeschlossen, und Captivate präsentiert das Resultat: Aufgereiht wie auf einem Filmstreifen (ähnlich den Folien einer PowerPoint-Präsentation) ergeben die einzelnen Bedienschritte eine zusammenhängende Videosequenz (siehe Bild 2). Abhängig von den gewählten Aufnahmeoptionen hat Captivate die einzelnen Benutzeraktionen bereits mit Hinweistexten und Hervorhebungen versehen oder interaktive Elemente eingefügt, die den Betrachter durch das Tutorial führen. Das Tutorial-Layout steuern Sie durch editierbare Vorlagen - so genannte Skins.

Capitvate - Aufnahmemodi und Basiseinstellungen

Bild 1: Captivate stellt typische Aufnahmemodi und Basiseinstellungen zur Auswahl, die Sie bei Bedarf modifizieren können, beispielsweise die Größe des Filmbereichs (siehe roter Rahmen).

Sie können jede Filmszene im Detail nachbearbeiten. Einblendzeiten und Mausbewegungen können angepasst, neue Textobjekte und Effekte ergänzt werden. Sogar die Screenshots sind editierbar, um beispielsweise reale Benutzernamen oder Pfadangaben durch fiktive zu ersetzen. Tüftler sind hier in ihrem Element. Aber auch ohne aufwändige Nachbearbeitung lässt sich ein gutes Resultat erzielen, wenn es darum geht, möglichst schnell zum ge-wünschten Standardergebnis zu gelangen.

Besonders praktisch: Wenn Sie ein Video-Tutorial mit Layout, Titelseite und vielleicht noch einer schönen Schlusssequenz ausgearbeitet haben, können Sie es als wiederverwendbare Vorlage für weitere Tutorials speichern.

Tutorial veröffentlichen

Für Nutzbarkeit und Akzeptanz des Tutorials durch die Zielgruppe ist das Ausgabeformat entscheidend. Der beste und aufwändigste Film wird zur Qual, wenn er als Pixelmonster über den Bildschirm ruckelt  oder durch überlange Download-Zeiten zum frustrierten Wegklicken verleitet.

Captivate bietet als Ausgabeformat das inzwischen weit verbreitete Flash-Format an, das akzeptable Dateigrößen mit guter Darstellungsqualität verbindet. Für die Betrachtung via Internet ist vor allem eine gute Streaming-Fähigkeit wichtig: Der Film läuft sofort an und wird während der Darstellung im Hintergrund nach und nach heruntergeladen.

Captivate - Nachbearbeitung und editieren von Bildern

Bild 2: Captivate ermöglicht die detaillierte Nachbearbeitung jeder Filmszene und sogar das Editieren und Verändern einzelner Bilder.

Alternativ zum Flash-Format können Filme aber auch als selbstständig lauffähige EXE-Dateien generiert und beispielsweise auf CD gebrannt und verteilt werden. Von der Bandbreitenanalyse bis hin zur automatischen Erstellung einer Autorun-Datei unterstützt Captivate die verschiedenen Ausgabemöglichkeiten durch gut durchdachte Zusatzfunktionen.

Grundsätzliches entscheiden

Die wichtigsten Entscheidungen kann einem auch das beste Programm nicht abnehmen: Was soll dargestellt werden und mit welchen Lernzielen und didaktischen Mitteln? Während Sie die Inhalte und Lernziele selbst festlegen müssen, bietet Ihnen Captivate bei den didaktischen Mitteln hilfreiche Alternativen: Sie können das Tutorial wahlweise als erklärenden Film ablaufen lassen oder den Betrachter in das Geschehen einbinden (interaktiv). Denn wie schon Konfuzius wusste, ist der Lernerfolg am größten, wenn man nicht nur zusieht, sondern es auch selbst probiert.

Capitvate - Beispiel für ein Video-Tutorial

Bild 3: Das fertige Video-Tutorial zeigt hier zum Beispiel, wie sie in Word sonderzeichen einfügen.

Interaktivität: ja oder nein?

Ein interaktives Tutorial kann den Benutzer beispielsweise auffordern, eine bestimmte Schaltfläche zu klicken. Erst wenn er die Aktion richtig ausgeführt hat, läuft das Tutorial weiter. Das mag zunächst lästig erscheinen, die meisten wissen jedoch das direkte Feedback und somit letztlich die Bestätigung ihres Lernerfolgs zu schätzen. Wenn Sie Tutorials interaktiv gestalten, werden Sie sich stets ein wenig in der Rolle eines Regisseurs wiederfinden. Denn die logische Abfolge der Inhalte und eine schlüssige, eingängige Bedienführung sind ebenso wichtig wie, den Benutzer weder zu überfordern noch zu langweilen.

Abschließend sei angemerkt: Captivate lässt sich vom Mathekurs bis zur Montageanleitung vielfältig einsetzen. Ein Grund, warum das Tool vornehmlich für Software-Dokumentation genutzt wird, ist schlichtweg der Erstellungsaspekt. Da Software-Produkte ohne aufwändiges technisches Gerät gefilmt werden können, lässt sich das Lernkonzept des Video-Software-Tutorials mit Captivate ruck, zuck umsetzen.


29.11.07
Robert Hinesley - Technikredakteur bei Comet Computer
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