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Fachchinesisch? Ja gerne! – Lokalisierung und Übersetzung ins Chinesische

Seit Kurzem sind sie online – die chinesischen Webseiten von Comet Computer und Comet Communication. Dr. Gang Song beleuchtet in diesem Beitrag wichtige Übersetzungsaspekte und gewährt einen Blick hinter die Kulissen.

Die Volksrepublik China ist ein wichtiges Glied der globalen Produktionskette. 2005 erreichte Chinas gesamtes Import- und Exportvolumen 1.422,1 Mrd. USD (Export 762,0 Mrd. und Import 660,1 Mrd.). Insbesondere auf Grund der zunehmenden Wirtschaftskontakte Chinas zu anderen Industrieländern ist der Lokalisierungs- und Übersetzungsbedarf enorm gestiegen. Für das Jahr 2005 wird das diesbezügliche Marktvolumen allein in China auf 2,5 Mrd. USD geschätzt (Quelle: LISA). Angesichts des jährlichen Bevölkerungswachstums von 9 %, der Olympischen Spiele 2008 in Beijing und der Expo 2010 in Shanghai erwartet man für die nächsten Jahre eine Verdoppelung dieser Zahl. Deutschland wird - wie schon in der Vergangenheit - daran nicht ganz unbeteiligt sein. Laut Angaben des Statistischen Bundesamts war Deutschland mit einem Handelsvolumen von 61,2 Mrd. USD bereits im letzten Jahr der wichtigste europäische Handelspartner Chinas. Da sind entsprechende Lokalisierungsarbeiten vom Chinesischen und ins Chinesische natürlich gefragt. Sie sind jedoch eine besondere Herausforderung, nicht nur linguistisch. Eine erfolgreiche Lokalisierung setzt umfassende und vielseitige Kenntnisse voraus. 

Zweierlei Schriftsprachen  

Das Chinesische ist mit mehr als 20 gesprochenen Dialekten und zwei unterschiedlichen Schriftsprachen (vereinfacht und traditionell) weltweit eine der schwierigsten Sprachen. Das traditionelle Chinesisch umfasst rund 50.000 komplizierte Schriftzeichen. Das vereinfachte Chinesisch, das Anfang der 50er Jahre von der chinesischen Regierung eingeführt wurde und auf der traditionellen Sprache basiert, unterscheidet sich von dieser in den Schriftzeichen, die aus weniger Strichen bestehen. Meist wird das vereinfachte Chinesisch auf dem chinesischen Festland (Volksrepublik China) verwendet, während das traditionelle Chinesisch in Taiwan, Hongkong und der restlichen Chinesisch sprechenden Welt zum Einsatz kommt. Selbst wenn Menschen in Taiwan und auf dem Festland Chinesisch sprechen, können sie doch ganz verschieden schreiben (siehe Beispiel 1).  
 
Es muss also entschieden werden, welche Schriftsprache für die Lokalisierung verwendet werden soll. Das aber setzt eine regionale Festlegung des chinesischen Zielmarkts voraus. 

Beispiel 1: Unterschied zwischen vereinfachtem und traditionellem Chinesisch

Ein Wort -  zwei Bedeutungen  

Bei der Lokalisierung/Übersetzung technischer Texte ist es wichtig, die benötigte Terminologie vorab zusammenzustellen, beziehungsweise mit den Kunden abzustimmen. Auf Grund der langjährigen Kontakte zwischen China und anderen Industrieländern gibt es bereits in einigen Branchen eine Standardterminologie für Sprachen wie Englisch, Japanisch und Deutsch. Allem voran muss man diese kennen und einheitlich verwenden. Oft kommt es jedoch vor, dass ein und dasselbe Wort branchen- bzw. sprachkontextabhängig mit unterschiedlichen chinesischen Wörtern wiedergegeben wird (siehe Beispiel 2).  

Detaillierte Kenntnisse der Ausgangs- und Zielsprache sowie der einschlägigen Terminologie in beiden Sprachen sind deshalb eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine gelungene Lokalisierung. Sofern unternehmensspezifische Terminologie zum Tragen kommt, ist ihre Übersetzung  mit dem Kunden abzustimmen.  

Unterschiedliche Bedeutungen des Begriff

Semantische und phonetische Übersetzung

Übersetzt werden Wörter zumeist nach ihrer Bedeutung (semantisch). Manchmal findet sich jedoch für bestimmte Begriffe keine chinesische Entsprechung. Dann werden die Wörter nach ihrer Aussprache übersetzt (phonetisch), und zwar durch eine chinesische Zeichenfolge, die eine möglichst ähnliche Aussprache ergibt. Das passiert oft bei Eigennamen (Vor- und Zunamen, geografische Namen usw.). Bei der phonetischen Übersetzung hilft die Lautschrift Pinyin, die chinesische Schriftzeichen in lateinische Buchstaben umwandelt. Pinyin umfasst 415 Silben mit je vier verschiedenen Betonungsmöglichkeiten, die bei der Aussprache bedeutungsgebend sind. Da es trotzdem noch viele gleich klingende Wörter gibt, werden in China zum Beispiel Wörterbücher für Eigennamen verkauft, was eine einheitliche Übersetzung sicherstellen soll.  

Historisch bedingt gibt es aber auch einige Begriffe, für die das Chinesische zwei Entsprechungen kennt: eine semantische und eine phonetische. Sind beide Entsprechungen verbreitet und werden gleichberechtigt verwendet, gelten sie auch beide als Standard (siehe Beispiel 3).  Es gibt im Chinesischen einige wenige Begriffe, die semantisch und phonetisch mit dem zu übersetzenden Wort (nahezu) übereinstimmen. Das sind sprachliche Kleinode, weil sie in chinesischer Schrift so einprägsam sind, dass man sie nie wieder vergisst. Handelt es sich bei solchen Begriffen um Produktnamen, steigert die Übereinstimmung den Marktwert des betreffenden Produkts erheblich, so der Fall bei dem Arzneimittel Viagra. Viagra wurde in China einst von einem unbekannten Journalisten mit übersetzt - gesprochen: Wege; Zeichenbedeutung: der großartige Bruder. Nach mehrjährigem Rechtsstreit zwischen den Pharmaunternehmen besitzt dieser Arzneimittelname heute einen immateriellen Vermögenswert von über 80 Mill. USD.

Zwei unterschiedliche Schriftzeichen für den Begriff


21.11.06
Dr. Rer. Nat. Gang Song - Kooperationspartner von Comet
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