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Schreiben Sie schon glokal? Global denken, lokal handeln – auch in der Technikredaktion

Glokalisierung ist ein Neologismus, der sich aus den Begriffen Globalisierung und Lokalisierung bildet. Glokalisierung steht für die Devise: Global denken – lokal handeln. Auch in Sachen Dokumentation sind Unternehmen, die weltweit agieren, gefordert, global zu denken und lokal zu handeln. Und so hat sich die Lokalisierung von Dokumentationsprodukten mittlerweile als eigenständige Branche etabliert. Desgleichen steigt die Anzahl von Firmen, die Lokalisierungsdienstleistungen anbieten.

Im Gegensatz zum klassischen Sprachübersetzen besitzt die Lokalisierung nicht nur sprachliche Aspekte. Auch bei der formalen Anpassung und Umsetzung der Ausgangstexte berücksichtigt sie länderspezifische Besonderheiten, zum Beispiel in Bezug auf die Typografie und kulturell bedingte Konventionen. Dadurch soll die betreffende Dokumentation, ob Handbuch, Online-Hilfe oder Website, einerseits dem Originaltext so nah wie möglich kommen, andererseits für den jeweiligen Zielmarkt maßgeschneidert sein.

 

Es ist nicht damit getan, einfach nur bestehende Texte in verschiedene Zielsprachen zu übersetzen. Die echte Lokalisierung beginnt schon viel früher, nämlich bereits beim Erstellen der Ausgangsdokumentation.

 

Globale Sprache

 

Dokumentation wird durch globales Englisch benutzerfreundlich und leichter zugänglich für Nutzer auf der ganzen Welt. Globales Englisch meint nicht britisches oder amerikanisches Englisch, sondern zeichnet sich insbesondere durch eine sprachvariantenübergreifende Vereinheitlichung der Grammatik, des Wortschatzes, der Orthografie und der Zeichensetzung aus. Außerdem handelt es sich um eine Verallgemeinerung der Sprache ohne kulturspezifische Bezüge. Dadurch lässt sich ein universelles Sprachsystem etablieren, das unter anderem folgende Merkmale aufweist:

  • definierte und eindeutige Terminologie
  • einfacher Wortschatz
  • aktiver Schreibstil
  • kurze Sätze
  • klare Wortstellung

Welchen Nutzen und welche Erleichterung globales Englisch für eine internationale Leserschaft letztlich bringen kann, wird besonders deutlich, wenn wir uns die zahlreichen englischen Sprachvarianten vor Augen halten. Allein Microsoft® Word unterscheidet über ein Dutzend, nämlich für Australien, Belize, Großbritannien, Irland, Jamaika, Kanada, Karibik, Neuseeland, Philippinen, Südafrika, Trinidad, USA, Zimbabwe.

 

Weltoffener Stil

 

Je einfacher der Ausgangstext ist, umso besser geht die Lokalisierung vonstatten. Aus Gründen der besseren Verständlichkeit unterstützt globales Englisch die schnelle, konsistente und akkurate Übersetzung. Ein solches Sprachsystem erleichtert auch den Einsatz von Übersetzungssoftware (Translation-Memory-Systeme) und minimiert die Fehlerquote sowohl manueller als auch automatisierter Übersetzungen.

 

Das strikte Befolgen von Regeln beziehungsweise das Einhalten von Standards reduziert zudem Übersetzungszeiten und -kosten. „Writing for Translation" lautet das Motto. Es geht darum, Ausgangstexte so zu gestalten, dass sie sich möglichst einfach in beliebige Zielsprachen übertragen lassen. Zusätzlich zu den Merkmalen des globalen Englisch helfen folgende Maßnahmen, ein Ausgangsdokument übersetzungsfreundlich zu gestalten:

 

  • strukturelle und formale Vorgaben

  • Standard-Schriften, die auch internationale Zeichen unterstützen

  • weder Jargon noch Umgangssprache 

  •  internationale Datierungsstandards, Maßeinheiten und Adressformate

  • Bilder in editierbarem Format

  • möglichst kein kulturspezifischer Bezug

  • großzügiger Textsatz, da der übersetzte Text mehr Platz brauchen könnte als der Ausgangstext

  • keine Tabellen mit engen Spalten und viel Text

  • keine manuellen Trennungen (zum Beispiel Silbentrennung oder weiche Zeilenumbrüche)

  • vollständige Sätze

  • Abkürzungen nur aufgelöst

Für ein optimales Lokalisierungsergebnis ist es hilfreich, wenn schon die Verfasser der Ausgangstexte mit verschiedenen länderspezifischen Konventionen vertraut sind, zum Beispiel Maßeinheiten, Schreib- und Leserichtung der Zielsprache, geografisch oder kulturell bedingte Besonderheiten.

 

Abschließende Kontrolle

 

So gut der Ausgangstext auch sein mag - ohne abschließende Kontrolle kommt keine Lokalisierung aus. Idealerweise ist der Verfasser des Ausgangstextes auch der Zielsprache mächtig, um die Übersetzung mit dem Originaltext abgleichen zu können. Doch selbst bei Unkenntnis der Zielsprache ist ein begrenztes Prüfen möglich. So lässt sich Folgendes kontrollieren:

 

  • Wurden alle Kapitel und Absätze übersetzt?

  • Sind insbesondere die Listen und Aufzählungen vollständig?

  • Sind auch die Kopf- und Fußzeilen vorhanden?

  • Wurden Produkt- und Firmennamen korrekt übernommen (sofern keine landesspezifische Übersetzung gewünscht ist)?

  • Wurden die korrekten Screenshots (zum Beispiel in der jeweiligen Landessprache) verwendet?

  • Wurden die Bilder und Diagramme übersetzt?

  • Sind die verwendeten Formate entsprechend den Vorgaben korrekt und konsistent?

  • Sind Groß- und Kleinschreibung sowie Zeichensetzung konsistent?

  • Stimmen die Querverweise und Verknüpfungen?

  • Stimmen bedingter Text und Textmarken (zum Beispiel in Adobe® FrameMaker®)?

  • Wurden die Zeilen- und Seitenumbrüche nach der Übersetzung optimiert?

Fazit

 

Inzwischen ist eine Glokalisierung der Sprache nötig, um alle Aspekte des globalen und lokalen Geschäfts abzudecken. Schreiben Sie selbst? Wenn Sie global denken und lokal handeln, leisten auch Sie einen wichtigen Beitrag zum erfolgreichen Lokalisierungsprozess - auf glokaler Ebene.


20.11.06
Helen Fawcett - Technical Communications Manager bei Comet Computer
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Mit dem Artikel verknüpfte Schlagwörter:
Arbeitsprozesse Englisch Globalisierung Lokalisierung Technikredaktion Technische Dokumentation Übersetzung

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