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Mehrsprachig publizieren mit PDF

Im Zeitalter der Globalisierung müssen Unternehmen auf dem internationalen Parkett Produkte und Dienstleistungen in vielen Sprachen anbieten können. Die Bedeutung multilingualen Publizierens steigt. Aber polyglotte Dokumente wollen nicht nur erstellt, sondern auch noch in der jeweiligen Landessprache an die Zielgruppe verteilt werden und vielleicht sogar den einen oder anderen Mehrwert bieten. Wie das hinzukriegen ist, zeigt das Beispiel eines fiktiven Bestellkatalogs, der die Artikel einer Bildagentur sowohl in Deutsch als auch in Englisch anbietet.
Das Projekt eines mehrsprachigen digitalen Bestellkatalogs bedarf natürlich einiger Vorüberlegungen. Mit den richtigen Tools und einer zielgerichteten Umsetzung lässt sich ein maximaler Bedienkomfort erreichen. Das Ergebnis, dem auch die Bilder dieses Beitrags entnommen sind, können Sie im Internet über www.formatix.de und den dortigen Link "mehrsprachiger Katalog mit Bestellsystem" abrufen.

Vorüberlegungen

Bei der Wahl der passenden Software für den Katalog sind bestimmte Voraussetzungen erforderlich. Die Software-Umgebung muss folgende Eigenschaften aufweisen:
  • Unterstützung für OpenType und Unicode
  • Ebenen für die verschiedenen Sprachvarianten
  • Interaktivität für ein integriertes Bestellwesen
  • kostenloser Viewer

Wie wollen wir publizieren?

Ein Katalog, der einmal gesetzt ist, kann mühelos ausgedruckt werden. Das sind Basics. Wir wollen mehr, und zwar einen mehrsprachigen Katalog, der international leicht zu verteilen ist. Da kommt uns das PDF-Format gerade recht, auch wenn die Verteilung von Dokumenten im PDF-Format eigentlich nichts Neues ist. Immer mehr Hersteller ergänzen ihre Druck-Erzeugnisse durch digitale Pendants, um die Vorteile dieses Mediums zu nutzen:
  • Dadurch, dass die immensen Druckkosten entfallen, liegen die Produktionskosten für einen digitalen Katalog deutlich niedriger.
  • Die Benutzer können gezielt nach Informationen suchen und im Dokument navigieren.
Aber allein die Tatsache einer digitalen Publikation erfüllt unsere Anforderungen an den Bestellkatalog noch nicht ganz. Auch die Bestellmöglichkeit muss digital umgesetzt werden. Schlussendlich soll ein bequemes und verkaufsförderndes Online-Bestellsystem resultieren, das Bestellformularen papiergebundener Kataloge weit überlegen ist.

Welches Tool eignet sich?

Wir haben uns beim Setzen des Bestellkatalogs für die aktuelle Version von Adobe InDesign CS entschieden. Sie bietet zwei technische Feinheiten, die zurzeit kein anderes Layout-Programm beherrscht und die unseren Anforderungen entgegenkommen.

Unicode-Unterstützung

Durch OpenType besteht eine uneingeschränkte Unicode-Unterstützung. Das ermöglicht, den Text mit einer beliebigen Schrift zu setzen. Die Zielsprachen spielen keine Rolle, auch wenn es sich um Sprachen mit nichtlateinischen Schriftzeichen handelt, wie sie zum Teil in Osteuropa und in Griechenland anzutreffen sind. Grundsätzlich sind alle Sprachen möglich, die von Mac OS X unterstützt werden. Diese enorme Erleichterung hilft zusätzlich, die Anforderungen eines Corporate Designs zu erfüllen.

Ebenenunterstützung

InDesign unterstützt mehrere Ebenen pro Datei (siehe folgende Abbildung). So lässt sich für jede Sprachvariante eine eigene Ebene anlegen, und wir können sämtliche Sprachvarianten in derselben Datei verwalten, was den Pflegeaufwand eines mehrsprachigen Katalogs erheblich reduzieren kann. Beispielsweise genügt es, Bilder auf ihrer Ebene zu aktualisieren; sie stehen dann automatisch für die Texte aller Sprachvarianten zur Verfügung, die jeweils eine eigene Ebene haben.


Abb. 1: Der PDF-Export aus Adobe InDesign CS kann mithilfe der
integrierten PDF-Library eine PDF-Datei mit einzelnen Ebenen erzeugen.

Umsetzung und  Ergebnis

Der Satz des Katalogs in InDesign CS ist schon die halbe Miete. Alle weiteren Schritte haben keinen Einfluss mehr auf das finale Layout. PDF ist ein reines Präsentationsformat.

In unserem Projekt nutzen wir die interaktiven Möglichkeiten von Adobe Acrobat Professional voll aus, indem wir auf die Scripting-Schnittstelle der Applikation zugreifen. Jeder kostenlose Acrobat Reader verfügt über einen JavaScript-Interpreter, sodass die in Professional angelegten Java-Skripte vom Reader ausgeführt werden können. Dadurch ergeben sich spannende Möglichkeiten, den digitalen Katalog aufzuwerten.

Benutzeroberfläche mit mehreren Sprachebenen

Das Programm Acrobat Reader ist ab Version 6.0 in der Lage, Dokumente mit mehreren Ebenen zu publizieren (s. Abb. 1) und dem Benutzer diese Ebenen anzuzeigen. Das bringt einen bislang nicht gekannten Zugriffskomfort bei polyglotten Dokumenten.

Über den Reiter „Ebenen" (s. Abb. 2) lässt sich der Sprachwechsel mühelos vollziehen. Wenn jedoch mehrere Ebenen (z. B. Bild- und Textebene) sich zu einer Gesamtansicht ergänzen, bringt das Ansteuern einzelner Ebenen nur ein unvollständiges Bild. Deshalb haben wir zusammengehörige Ebenen zu einem Set zusammengefasst, das sich benutzerfreundlich als Lesezeichen hinterlegen lässt (s. Abb. 3).


Abb. 2: Mit Acrobat Professional bzw. Standard können Autoren festlegen, mit welchen Ebenen das Dokument standardmäßig angezeigt oder ausgedruckt werden soll. So können Ebenen, die am Bildschirm nicht sichtbar sind, theoretisch im Druck erscheinen und umgekehrt. Optional lässt sich der Reiter "Ebenen" einblenden, mit dem die Ebene gewechselt werden kann.


Abb. 3: Über interaktive Acrobat-Elemente (hier: der Reiter "Lesezeichen") lässt sich der Sprachwechsel per Mausklick steuern und für den Benutzer so komfortabel wie möglich gestalten.

Integriertes Bestellsystem

Die nötige Interaktivität wird durch den zielgenauen Einsatz von JavaScript umgesetzt, da jede Version von Acrobat Reader über einen integrierten JavaScript-Interpreter für Acrobat-eigene Objekte verfügt.
 
Artikel auswählen: Für die einzelnen Artikelnummern haben wir in Acrobat Professional Formularfelder angelegt. Diesen ist eine JavaScript-gesteuerte Aktion hinterlegt, die bei Mausklick (genauer: anschließendem Loslassen der Maustaste) ausgeführt wird (s. Abb. 4). Der Kunde klickt die gewünschte Artikelnummer, gibt die Bestellmenge an, und der ausgewählte Artikel wandert in den Warenkorb.


Abb. 4: Den PDF-Formularfeldern mit den Artikelnummern sind JavaScript-Funktionen hinterlegt.

Für einen sehr umfangreichen Katalog ist die beschriebene Vorgehensweise zu aufwändig. Aber die Möglichkeiten von JavaScript in Verbindung mit Acrobat bieten andere elegante und effiziente Möglichkeiten. So haben wir in anderem Zusammenhang beispielsweise eine JavaScript-Funktion programmiert, die in den PDF-Formularen die interaktiven Formularfelder automatisch erstellt und alle Artikelinformationen aus einer Datenbank in diese Felder lädt. Eine Datenbankanbindung erleichtert die Pflege erheblich. Wenn sich z. B. die Katalogpreise ändern, lassen sich die Daten des PDF-basierten Bestellsystems per Mausklick aktualisieren.

Mehrsprachige Dialoge: Der Vollständigkeit halber sei noch der Hinweis erlaubt, dass sich die eingangs beschriebene Mehrsprachigkeit natürlich auch über das Bestellsystem erstreckt. Wechselt der Benutzer über den Reiter „Lesezeichen" die Sprachvariante, erfolgt automatisch auch ein Sprachwechsel bei den Benutzerdialogen (s. Abb. 5 und 6) bis hin zum Bestellformular. In diesem Beispiel zwar nicht realisiert, wäre es aber auch möglich, der jeweiligen Sprachvariante unterschiedliche Preise und Währungen zuzuordnen.


Abb. 5 und 6: Auch die Benutzerdialoge erscheinen in der jeweils gewählten Sprache.

Artikel bestellen: Der Warenkorb ist ein Bestellformular, das am Ende unserer PDF-Datei steht und alle ausgewählten Artikel auflistet. Die nötigen Rechenoperationen lassen sich wahlweise mit der Acrobat-eigenen Rechenfunktionalität steuern oder - bei komplexen Berechnungen vorteilhafter - mithilfe von JavaScript. Das Bestellformular kann schließlich ausgedruckt und z. B. als Fax versendet werden. Darüber hinaus bietet der Bestellkatalog aber auch die Möglichkeit des E-Mail-Versands, um vollständig digital zu bleiben und keinen Medienbruch zu begehen. Bei Mausklick auf die E-Mail-Schaltfläche (s. Abb. 7) wird eine XML-Datei erzeugt, die einer automatisch generierten E-Mail angehängt wird und vom Empfänger digital weiterverarbeitet werden kann. Um eine E-Mail-Funktion einzubauen, müssen Sie lediglich eine Schaltfläche erstellen, der Sie einen so genannten Mailto-Link mit Ihrer E-Mail-Adresse hinterlegen. Das Erzeugen der E-Mail samt XML-Datei erledigt der Reader dann ganz automatisch.


Abb. 7: Die Bestelldaten können als E-Mail gesendet oder direkt an ein Webserver-Skript übergeben werden. Das optionale XFDF-Format schlägt sogar die Brücke zu XML-verarbeitenden Systemen.

Bestelldaten weiterverarbeiten: Letztendlich ging es uns bei dem Bestellsystem auch darum, die Bestelldaten direkt in ein Warenwirtschaftssystem einspeisen zu können. Das ist möglich, wenn Acrobat Reader die Daten im XML-Format an ein Webserver-Skript übergibt, das alles Weitere erledigt. Wenn wir jetzt noch bedenken, dass Acrobat den Einsatz von digitalen Signaturen unterstützt, steht einer erfolgreichen Bestellung und Datenweiterverarbeitung nichts mehr im Wege. Mithilfe der fortgeschrittenen digitalen Signatur, die von Acrobat durch Zusatzsoftware unterstützt wird, könnten Sie sogar eine rechtsverbindliche Bestellung erzeugen, da laut Signaturgesetz die digitale Signatur einer handschriftlichen Unterschrift gleichgestellt ist. Um das zu realisieren, ist allerdings eine Smartcard mit entsprechendem Zertifikat erforderlich.

21.12.05
Jan Hillmer - Inhaber von Formatix
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Acrobat Adobe Information Lokalisierung PDF

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