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Winglish auf gut Deutsch

Das Aufkommen der Windows-Welt hat die Technikredaktion vor neue sprachliche Aufgaben gestellt. Tipps zum Umgang mit Winglish.

Durch langjährigen Einsatz und weite Verbreitung Windows-basierter Anwendungen haben sich inzwischen sprachliche Standards und Formulierungsmuster entwickelt, die wir uns beim Erstellen von Software-Dokumentation zu Nutze machen können. Maßgebliche Orientierungshilfen liefert die Firma Microsoft. Da ihr Manual of Style for Technical Publications bislang leider nicht in deutscher Sprache vorliegt, fasst Birgit Heilig, Technikredakteurin bei Comet Computer, einige wichtige formulierungstechnische Aspekte auf Deutsch für Sie zusammen.

Was um alles in der Welt ist Winglish?

Winglish bezeichnet einen bestimmten Stil, Windows-basierte Anwendungen mit all ihren Oberflächenelementen zu beschreiben. Winglish ist international, leicht zu lesen und leicht zu übersetzen. Aber wie der Name schon sagt, ist Winglish in der Hauptsache doch englisch. Ein großer Teil der Regeln lässt sich aber auch ins Deutsche übertragen. Sprachübergreifende Regeln sind beispielsweise:

  • KISS (Keep It Simple, Stupid)
  • Aktiv schreiben
  • Im Präsens schreiben
  • Geschlechtsneutral formulieren

Neben diesen Hauptregeln liefert Winglish weitere Formulierungshilfen. Im Folgenden werden einige Beispiele angeführt.

Das Pferd nicht von hinten aufzäumen

Gehen Sie in Ihrer Beschreibung den Weg der AnwenderInnen. Nennen Sie z. B. erst den Menünamen und dann den Menübefehl, zuerst den Fenstertitel dann den Feldnamen:

Falsch: Wählen Sie den Befehl Suchen im Menü Bearbeiten.

Richtig: Wählen Sie im Menü Bearbeiten den Befehl Suchen.

Falsch: Geben Sie Ihre Kennung in das Feld Kennung im Fenster Anmeldung ein.

Richtig: Geben Sie im Fenster Anmeldung in das Feld Kennung Ihre Kennung ein.

Eindeutige Informationen liefern

Sprechen Sie die Leserinnen und Leser direkt an. Passivkonstruktionen sind oft mehrdeutig und führen zu Verwirrung. Die LeserInnen fragen sich: "Wer führt die Aufgabe nun durch? Das Programm? Die Systemverwaltung? Oder etwa ich?"

Falsch: Die eingegebenen Orte werden in die Zieltabelle übertragen.

Richtig: Übertragen Sie die eingegebenen Orte in die Zieltabelle.

Oder: Die eingegebenen Orte werden automatisch in die Zieltabelle übertragen.

Mit dem Wort automatisch machen Sie z. B. deutlich, dass die Aufgabe von keiner Person, also auch nicht von den Lesern durchgeführt wird. Sie können zusätzlich das Programm nennen, das die Aufgabe durchführt.

Konsequent die richtigen Worte finden

Mit der Übersetzung von Microsoft-Programmen, Online-Hilfen und Handbüchern hat sich eine deutsche Terminologie geprägt. Das Microsoft-Buch Die Windows-Oberfläche enthält im Anhang eine Übersetzung von englischen Oberflächenbegriffen ins Deutsche und in weitere 25 Sprachen. Wichtig ist, dass Sie die Terminologie konsistent anwenden. Es gibt für einige Oberflächenelemente sicherlich alternative Begriffe. Entscheiden Sie sich aber für einen und verwenden Sie diesen konsequent. Eine konsistente Terminologie erleichtert nicht nur das Verständnis, sondern auch das Übersetzen. Wie detailliert die Beschreibung der Bedienoberfläche im Einzelnen ausfällt, hängt von der Zielgruppe ab. So dürfen wir die Mausbedienung heutzutage wohl als bekannt voraussetzen. Sicherlich müssen wir auch nicht erklären, dass Klicken das Drücken der linken Maustaste bedeutet. Schaltflächen z. B. (englisch: Buttons) werden geklickt. So könnte in einer Schrittanleitung folgender typischer Satz stehen: Klicken Sie OK.

Vermeiden Sie unnütze Präpositionen wie auf. Klicken impliziert bereits das Positionieren des Mauszeigers und das anschließende Drücken der linken Maustaste. Dass es sich bei OK um das Bedienelement Schaltfläche handelt, müssen Sie nicht explizit angeben. Schließlich haben die AnwenderInnen die Bedienoberfläche vor sich und sehen, dass OK eine Schaltfläche ist. Darüber hinaus wissen sie, dass Schaltflächen geklickt werden. Zur besseren Verdeutlichung von Bildschirmtext können wir zusätzlich Zeichenformate definieren (hier z. B. Fettdruck).

Verwenden Sie für gleiche oder ähnliche Vorgänge immer dieselben Ausdrücke. Anders als in der Belletristik sind in der Software-Beschreibung konsistente Formulierungen erwünscht. Bedienungsanleitungen sollen schnell und einfach verstanden werden. Solche Formulierungen unterstützen durch ihren Wiedererkennungswert das schnelle Verstehen beschriebener Vorgänge und tragen dazu bei, dass sich die verwendete Terminologie einschleift. Vermeiden Sie Varianten wie: Klicken Sie OK. / Drücken Sie OK. Aber nicht jede Einzelaktion oder Bedienalternative muss beschrieben werden. Verwenden Sie möglichst treffende Verben, mit denen sich mehrere Bedienvorgänge zusammenfassen lassen. Für die Bedienung von Menüs können Sie z. B. wählen verwenden, wobei der Vorgang des Klickens selbstverständlich dazugehört.

Verzichten Sie auf unnütze Komposita. Das bringt keine zusätzliche Information und ist grammatikalisch gesehen unnötig. Wenn Sie sich für wählen statt auswählen entscheiden, vermeiden Sie außerdem lästige Klammerkonstruktionen, die die Lesbarkeit beeinträchtigen.

Falsch: Wählen Sie im Menü Bearbeiten den Befehl Suchen aus.

Richtig: Wählen Sie im Menü Bearbeiten den Befehl Suchen.

Was bringt's?

Letztlich erleichtert die Verwendung bestehender Microsoft-Terminologie nicht nur das Lesen, sondern auch die Texterstellung. Nutzen Sie deshalb bestehende Dokumente als Orientierungshilfe. Es lohnt sich.


01.10.00
Birgit Heilig -
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