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Schnell, kostenlos und ohne System: Wikis - Hawaii lässt grüßen

Schnelligkeit und Kosten werden immer mehr ein Thema für die Dokumentation. Herkömmliche Verfahren und Tools bieten oft nicht genügend Flexibilität.

Hohe Lizenzkosten, verbunden mit in der Regel noch viel höheren Kosten für Konfiguration, Schulung und Umstellung der Arbeitsabläufe, machen einen Einsatz fraglich. Zudem ergeben sich, bedingt durch die weitgehend unstrukturierte Ausgangssituation, jahrelange Erprobungsphasen, in denen nicht selten ein Produktivbetrieb nur eingeschränkt oder noch gar nicht möglich ist.

Grund genug, nach Alternativen Ausschau zu halten. Und es gibt sie in Form von Wikis. Während bei 'echten' Verwaltungsumgebungen (Dateisystem oder datenbankengestütztes System) die Struktur des Inhalts vorher bekannt sein muss, passt sich ein Wiki organisch den Bedürfnissen an. Ohne lange zu planen, können wir einfach loslegen und kreative Wissensbasen realisieren.

Was ist ein Wiki?

"Wiki" stammt aus dem Haiwaiianischen und heißt schnell. Damit ist das meiste schon gesagt, denn Wikis sind gedacht für den schnellen Wissensaustausch. Jeder berechtigte Benutzer kann die Inhalte eines Wikis lesen, durchsuchen, bearbeiten und miteinander verlinken. Wichtige Verwaltungsfunktionen stehen kostenlos zur Verfügung. Die Wiki-Idee wurde 1994 von Ward Cunningham für die 'unkomplizierte Kommunikation unter Entwicklern' geboren. Heute gibt es zahlreiche Implementierungen für unterschiedlichste Zwecke.

Technisch ist ein Wiki eine Server-Software, mit der Inhalte über einen einfachen Web-Browser editiert, durchsucht und angesehen werden können.

Was bietet ein Wiki?

Die im Folgenden aufgeführten Features gehören zum Standardumfang der meisten Wiki-Implementierungen. Darüber hinaus liegt auch der Quellcode offen, so dass eigentlich beliebige Zusatzfunktionen programmiert werden können.

Wissen verbinden
Direkte Editierbarkeit und einfache Vernetzung der Inhalte sind die herausragenden Merkmale eines Wikis.

Interne Verlinkung über WikiWords:
Wenn Benutzer den Inhalt einer Seite editieren, können sie im Text so genannte WikiWords benutzen. Dies hat folgenden Effekt:

  • Wenn das WikiWord in diesem Wiki noch nicht benutzt wurde, wird in der editierten Seite ein Link auf eine neue Seite mit dem WikiWord als Seitenname angezeigt. Der Benutzer kann dann auf den Link klicken und so die neue Seite erstellen und deren Inhalt definieren.
  • Wenn das WikiWord in diesem Wiki bereits benutzt wurde, und somit eine Seite mit diesem Namen existiert, wird in der editierten Seite ein Link auf diese Seite angezeigt. So können auf einfachste Weise Inhalte miteinander verlinkt werden.

Externe Verlinkung:
Durch Angabe der entsprechenden Zieladresse können, wie bei HTML, Links auf andere Web-Seiten oder Dateien (z. B. Tabellenkalkulationsdateien) gesetzt werden.

WikiWiki-Markup-Language zur Formatierung
Die sehr einfachen Tags der WikiWiki-Markup-Language werden vom Wiki-Server in HTML übersetzt, wenn eine Seite an einen Web-Browser geschickt wird. Die WikiWiki-Markup-Language ist allerdings nicht standardisiert.
Gemeinsam haben die verschiedenen Implementierungen sehr einfache Tags für Listen, Überschriften und die Kennzeichnung der WikiWords, ohne die das Verlinken von Wiki-Seiten nicht realisierbar wäre.
Mit Hilfe dieser vordefinierten Grundformatierungen können einfache Layouts ohne Aufwand erstellt und abgeändert werden.

Einbetten von Grafik
Grafiken können durch Angabe ihres Speicherorts in Wiki-Seiten referenziert werden. Beim Aufruf einer Seite mit Grafik-Referenz, wird die Grafik von ihrem Speicherort geladen und angezeigt. Andere multimediale Inhalte, wie z. B. Videos, können ähnlich eingebettet werden.

Hierarchisch strukturierte Seiten
Die Wiki-Seiten können hierarchisch strukturiert werden, und diese Hierarchie kann als Navigationshilfe angezeigt werden.

Verwaltungsfunktionen
Ein Wiki stellt nützliche Verwaltungsfunktionen kostenlos zur Verfügung, wobei kostenlos nicht nur keine Lizenzkosten bedeutet, sondern insbesondere keine Konfigurationsaufwände.

Zugriffsberechtigungen
Der Blick auf ein Wiki ist kontrollierbar. Wer welche Inhalte verändern und sehen darf, ist in weiten Grenzen über Zugriffsberechtigungen festlegbar. Es können alphabetische Listen, thematische Kataloge oder Seiten mit persönlichen Portalen erstellt werden.

Versionsverwaltung
Die Wiki-Seiten werden versioniert, und für jede Version können die bearbeitende Person ermittelt sowie Vergleiche zu Vorgängerversionen durchgeführt werden.

Link-Kontrolle
Wichtig für die Kontrolle über die Wiki-Netzstruktur ist die Backlink-Funktion. Zu einer Wiki-Seite liefert sie alle anderen Wiki-Seiten, die auf diese Seite verweisen.

Exportfunktionen
Schließlich können die Inhalte aus dem Wiki exportiert werden, um sie für andere Welten verfügbar zu machen.

Wiki für die Doku

Dank der schlagenden Wiki-Vorteile - einfacher Wissensaustausch und kostenlose Verwaltung - haben wir bei Comet unmittelbar Einsatzmöglichkeiten für Wikis im Doku-Bereich gesehen und erfolgreich erprobt. Für Glossare, Entwicklungsinput und Richtlinien im Dokumentationsteam haben wir Wikis gewinnbringend aufgesetzt.

Ein Wiki ist in seiner heutigen Form sicher nicht die Lösung für alle Dokumentationsaufgaben. Doch die genannten Einsatzmöglichkeiten zeigen, dass es durchaus Anwendungsbereiche gibt und in Zukunft immer mehr geben wird, für die Wikis die beste Lösung darstellen, wenn nicht sogar die einzige Lösung überhaupt.

Mehr zu Wikis finden Sie im Internet zum Beispiel unter www.wiki.org.


01.04.04
Prof. Sissi Closs - Inhaberin und Geschäftsführerin von Comet Computer und Comet Communication sowie Professorin für Informations- und Medientechnik im Studiengang Technische Redaktion an der Hochschule Karlsruhe
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